Horoskop und gute Vorsätze zum Jahreswechsel? Du hast Besseres verdient!

Am Jahresende haben Astrologen Konjunktur: «Der Glücksplanet Jupiter verheisst dir Erfolg in Geschäften und der Liebe…», «Die zweite Jahreshälfte bringt in Europa wirtschaftliche Turbulenzen …» So und ähnlich lauten beliebte Floskeln und Prognosen. Ihnen zu vertrauen ist nicht bloss nutzlos, sondern behindert dich in deiner Selbstverwirklichung. Andere betrachten den Jahreswechsel als günstige Gelegenheit, gute Vorsätze zu fassen. Auch dies ist keine nützliche Methode für das Ziele setzen. Starte stattdessen mit einer fundierten persönlichen Vision ins neue Jahr. Wie das geht, erfährst du im Artikel.

Banale Prognosen und eine perfide Selbsttäuschung

Astrologen gehen davon aus, dass die Gestirnkonstellation (Position der Planeten im Tierkreis) im Moment der Geburt einen prägenden Einfluss auf Persönlichkeit und Leben ausüben. Aus den Positionen am Jahresanfang und weiteren Daten leiten sie Prognosen für das Jahr ab. Die meisten dieser Prognosen sind entweder banal oder falsch. «Wirtschaftliche Turbulenzen» gibt es in Europa immer irgendwelche. Man kann darunter die Griechenlandkrise, die wiederholten Streiks der Lufthansapiloten oder was auch immer sehen. Viele Prognosen treffen auch schlicht nicht zu. Doch wer weiss das noch ein Jahr später? Trotzdem haben viele Menschen den Eindruck, an der Astrologie sei etwas dran.

Ein Teil des scheinbaren Zusammenhangs ist eine perfide Selbsttäuschung, wie der bekannte Psychologe Eysenck gezeigt hat: Personen, die astrologische Lehren kennen, beschreiben sich selbst im Licht dieser Theorie, nehmen sich so wahr, ja entwickeln sich vielleicht sogar in dieser Richtung. „Zwillinge“ beispielsweise, also zwischen dem 21. Mai und 21. Juni Geborene, sind gemäß Astrologie „luftig“, „veränderungsbereit“, „mehr von Gedanken denn von Gefühlen geleitet“ und „kommunikativ“. Wer das weiß, benimmt sich möglicherweise zunehmend so verglichen mit „Zwillingen“, die das nicht wissen. Genau das konnte Eysenck nachweisen. Wer nichts von Astrologie verstand oder nichts davon hielt, bei dem bestand der scheinbare Zusammenhang auch nicht. *

Falscher Schicksalsglaube statt Selbestimmung und Selbstverwirklichug

Wenn Astrologie zurückwirkt, wenn Menschen sich also im Sinne der astrologischen Aussagen zu verändern beginnen, wird es gefährlich. Der Mensch denkt, ein unabänderliches Schicksal würde ihn bestimmen („die Sterne“), dabei beeinflusst er sich selbst. Gleichzeitig begrenzt sich aber auch und schliesst andere Entwicklungsmöglichkeiten aus. „Zwillinge sind nun mal so“, wird er sich sagen, „tiefe Gefühle sind nicht meine Sache“. Damit hat er eine bequeme Ausrede, tiefe Gefühle wie Liebe oder Trauer nicht zuzulassen und beraubt sich und seine Mitmenschen mancher Lebensmöglichkeiten.

Ich will nicht bestreiten, dass seriös angewandte Astrologie und verwandte Disziplinen auch zu nützlichen Aussagen gelangen. Nur ist der ganze Ansatz verkehrt: Du musst nicht dein Schicksal in den Sternen, in numerologischen Zahlenspielereien, Tarotkarten oder Jahresendprognosen suchen, sondern du kannst es autonom nach deinen eigenen Gedanken, Gefühlen und Wünschen gestalten. Astrologie & Co hindern dich daran, diese Freiheit zu nutzen und deine Selbstverantwortung wahrzunehmen.

Besser leben mit guten Vorsätzen?

Und was ist an den guten Vorsätzen falsch? Zunächst einfach, dass sie nicht viel bewirken und rasch vergessen sind. Sie kommen häufig unter einem gewissen Druck zustande, eigenem oder solchem aus der Umgebung: «Ich sollte endlich abnehmen.», «Du solltest aufhören zu rauchen.», «Nächstes Jahr will ich den Keller aufräumen», «Im neuen Jahr muss ich eine Stelle finden, an der ich mehr verdiene». Sie erwachsen aus einem Gefühl der Notwendigkeit», nicht aus einem erfreulich motivierenden Wunsch. Bereits die Wörter «muss», «will», «sollte» verraten ihre Herkunft: Es sind Kinder des Verstandes und des Willens, nicht der Seele; sie wird dabei oft nicht «angefragt» oder «angehört». Darum sabotiert sie später die Pläne oder hilft zumindest nicht bei der Realisierung. Gute Vorsätze sind meistens auch nicht durchdacht und präzisiert, wie es für das wirksame Ziel visualisieren nötige wäre.

Fundierte persönliche Ziele setzen – eine Anleitung zum Jahreswechsel

Wenn du den Jahreswechsel besinnlich nutzen möchtest, packe es anders an:

  • Lass dein altes Jahr Revue passieren: Welches waren wichtige Ereignisse? Was hat dir Spass gemacht? Was hat dich belastet? Welche Fortschritte gab es? Wo hat dein Leben stagniert?
  • Nimm eine neutrale Haltung gegenüber diesen Entwicklungen ein, versuche nicht, sie zu bewerten. Horche in dich hinein, was dir die Ereignisse stattdessen sagen und was daraus lernen kannst. Sei dankbar für alles.
  • Ergeben sich aus der Rückschau Wünsche oder regen sie dich zu Phantasien an? Eine Klientin berichtete beispielsweise, wie ihre schlecht bezahlte Arbeitsstelle sie frustrierte, während sie beim Photographien Ausgleich fand und Spass hatte. Sie kam auf die Idee, aus dem Photographien einen Beruf zu machen, was ihr später gelang.
  • Notiere deine Wünsche und Phantasien. Lass sie einige Tage ruhen. Schau sie dir von Zeit zu Zeit an. Präzisiere und verbessere sie.
  • Überprüfe jedes Ziel mit 3 einfachen Fragen **:1. Will ich das Ziel wirklich erreichen? Oder meine ich nur, ich sollte es erreichen?
    2. Wie wird es sein, wenn ich am Ziel bin? Wie werde ich mich fühlen? Wird es das sein, was ich mir wünsche?
    3. Glaube ich aus tiefstem Herzen, dass ich dieses Ziel erreichen kann? Und falls Zweifel auftauchen: Was sagen mir diese?
  • Nutze die Prüffragen, um die Ziele möglicherweise umzuformen. Verzichte auf Ziele, die bei allen Prüffragen durchfallen. Formuliere die Ziele zu Ende und starte mit einer fundierten positiven Vision ins neue Jahr.
  • Lies deine Ziele von Zeit zu Zeit durch und schau, wo du stehst.

Nächstes Jahr wird dein Jahresrückblick anders ausfallen: Du kannst auf die Ziele vom Jahresanfang zurückgreifen und sie mit der tatsächlichen Entwicklung vergleichen. Dabei wirst du mehrheitlich positiv überrascht sein. Und dort wo es anders gekommen ist, hast du eine Grundlage, um über die Gründe nachzudenken und daraus zu lernen.

* Eysenck, Hans Jürgen, Nias David: Astrologie – Wissenschaft oder Aberglaube? List Verlag, 1987
** Eine vertieftere Version der Prüffragen, den ökologischen Check, findest du in meinem Buch «Steuere dein Leben», Seite 139

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