Ziel & Weg

Locker ans Ziel gelangen – einfach leben

Der Weg an ein Ziel ist für viele mit großen Anstrengungen, Hindernissen, Sorgen und oft auch Rückschlägen gepflastert. Muss das so sein? Warum nicht einfach leben? Ich möchte dir heute ein wichtiges Erfolgsgeheimnis näherbringen: Konzentriere dich auf dein Ziel (gewünschtes Endergebnis) und überlasse den Weg (die konkreten Schritte) zunächst deinem Unterbewusstsein (oder anders gesagt: einem schrittweisen, intuitiven Erkennen). Ich illustriere dies Praxis zuerst an einem Experiment, das ich mit Seminarteilnehmern/innen durchführe. Dann zeige ich an Beispielen, wie es im täglichen Leben funktioniert.

Die Teilnehmer werden gebeten, auf einer Holzlatte zu balancieren. Wenn sie auf die Füße oder auf das Ende der Latte schauen (also auf den Weg, Abbildung links *), verlieren sie nahezu immer das Gleichgewicht. Wenn sie aber auf da an der Wand befestigte Ziel schauen, schaffen es die meisten perfekt bis ans Ende der Latte (Abbildung rechts). Offenbar ist unser Körper besser in der Lage, eine motorische Koordinationsleistung zu erbringen, wenn wir die Steuerung ihm überlassen, als Regulierungspunkt aber ein Ziel vorgeben.

Das „einfach leben – Prinzip“

Das funktioniert nicht nur bei Bewegungsabläufen, sondern bei der Lebensgestaltung. In einem Seminar hatte ich einen Teilnehmer, der auf die Frage „Wo sehen Sie sich beruflich in einem Jahr?“ folgendermaßen antwortete: „Zunächst muss ich das aktuelle Projekt abschließen. Das wird Oktober. Dann wird mein Chef einverstanden sein, dass ich einen internen Lehrgang besuche. Der dauert 9 Monate. Dann werde ich mich für eine Versetzung ins Ausland bewerben.“ Er wusste bis ins Detail, wie alles ablaufen sollte. Doch war das alles nötig? Am Ende zählte nur, dass er im Ausland arbeiten wollte. Der ganze Rest war bloß ein mögliches Szenario, wie er allenfalls dorthin kommen konnte (Weg). Dass es genauso ablaufen würde, war weder nötig noch wahrscheinlich. Warum musste er bei derselben Firma bleiben? Vielleicht boten andere Unternehmen bessere Auslandjobs? Warum wollte er zuerst einen internen Lehrgang absolvieren? Falls er sehr qualifiziert war und falls die Firma jemanden wie ihn brauchte, würde man sich um einen internen Lehrgang mehr oder weniger nicht scheren. Selbst der Abschluss seines aktuellen Projekts war keine zwingende Bedingung. Es mag sein verstandesmäßiger Wunsch gewesen sein. Doch stehen gerade diese unserem raschen Erfolg im Weg. Wenn man dem jungen Mann morgen den Auslandjob anböte, dann müsste er die Chance ergreifen. In einem Jahr gäbe es sie vielleicht nicht mehr.

Je offener wir es lassen, wie wir an ein Ziel gelangen, umso besser stehen unsere Chancen und umso vielfältiger präsentieren sich die Realisierungsmöglichkeiten. Je mehr Einschränkungen wir uns auferlegen, umso enger wird das Spektrum.

Ziel und Weg unterscheiden

Lege somit zunächst nur dein Ziel fest: eine konkrete präzise Vorstellung vom gewünschten Ergebnis. Lasse es offen, auf welchem Weg (mit welchen Methoden, Mitteln und praktischen Schritten) du dorthin gelangst. Anschließend wirst du eine verblüffende Beobachtung machen: Es werden sich automatisch Informationen und Hinweise zu deinem Thema einstellen. Du liest etwas in der Zeitung oder triffst auf einen Artikel im Internet. Du wirst Personen begegnen, die sich als hilfreich herausstellen, sei es als motivierendes Beispiel oder für praktische Kontakte. Ideen werden dir kommen, neue Gedanken und Aspekte. Du wirst erkennen, worin die nächsten Schritte zur Problemlösung besteht könnten und ein sicheres Gefühl für die richtige Entscheidungen entwickeln. Manchmal wirst du beobachten, dass sich praktische Lebensveränderungen auf dein Ziel einstellen, die du scheinbar gar nicht veranlasst hast. Das hat alles nichts mit «Zauberei» zu tun, sondern ist das Ergebnis unbewusster, intuitiver Prozesse welche deine Wahrnehmung, deine Kreativität und deine Interaktionen mit der Umgebung steuern. Intuitiven entstandenen Vorgehensweisen sind den willkürlich und rein verstandesmäßigen Plänen überlegen. Einfach leben, leichter leben heißt das Motto!

Beispiel: Jemand möchte abnehmen. Üblicherweise stürzen sich Menschen nun auf eine Diät, treiben Sport wie verrückt oder auflegen sich andere Torturen. Entwickle stattdessen einfach eine konkrete und lebhafte Vorstellung, wie du aussehen und dich fühlen möchtest. Zum Beispiel so: „Wenn ich auf die Waage gehe, bin ich positiv überrascht. Im Spiegel gefalle ich mir. Ich fühle mich viel leichter und schlanker, vor allem um Bauch und Hüfte. Kollegen und Bekannte fragen mich ‚Hast du abgenommen?‘“ Ein bestimmtes Gewicht in Kilos ist möglich, aber ebenso wenig relevant wie ein Zeitlimit. Dann unternimm vorerst einfach einmal nichts. In der nächsten Zeit wird sich irgendetwas ergeben, was dich auf deinen Weg zum Ziel bringt. Vielleicht gerätst du an Information über die Veränderung von Ernährungsgewohnheiten oder die physiologischen Vorgänge beim Fettabbau. Oder du entdeckst eine sportliche Betätigung, die dir Spaß macht und die automatisch eine Gewichtsreduktion mit sich bringt. Auch eine Diät ist nicht ausgeschlossen, es wird aber eine sein, die sich dir gewissermaßen anbietet, und die zu dir passt. Auch denkbar, dass sich deine Lebensumstände verändern: Du verliebst dich in eine Person, die viel Sport treibt und sich anders ernährt und du machst mit. Oder du erlebst sonst eine intensive Phase ja vielleicht sogar Stress. Dabei kommst du kaum noch zum Essen und nimmst «ungewollt» ab. Alles ist möglich. Du wirst vermutlich auf ganz andere Weise an dein Ziel gelangen, als wenn du es von Anfang an rein verstandesmäßig geplant hättest. Aber du wirst ankommen!

Dieser Kunstgriff (Ziel und Weg trennen), ist so entscheidend, dass ich ihm in meinem Buch «Steuere dein Leben» ein eigenes Kapitel gewidmet habe („Viele Wege führen nach Rom – Fixierung auf Weg vermeiden“) **. Lies dieses Kapitel, es wird dir noch mehr Evidenz liefern, warum und wie es funktioniert. Oder versuch es einfach und lass dich überraschen!

* Illustrationen von Marion Gerstel

** Bestellbar bei Amazon

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