Angst und Verzweiflung

Warum sich negative Gedanken leichter manifestieren als positive

Viel wundern sich, dass Befürchtungen oft Realität werden, Hoffnungen und Wünsche jedoch nur selten. Ist das «Negative» stärker als das «Positive»? Die Ursache liegt in zwei Mechanismen der Seele, die du kennen solltest, um Gegensteuer zu geben: 1. die «psychische Entropie», eine Tendenz des Gedankenstroms zu negativen Assoziationen. 2. Die besondere Empfänglichkeit der Seele im Zustand der Angst.

Wenn du deinen Gedanken freien Lauf lässt, z. B. am Morgen nach dem Aufwachen oder beim «Tagträumen» werden automatisch und assoziativ Gefühle und Gedanken ins Bewusstsein geschwemmt. Bei vielen sind das Sorgen, Befürchtungen, Ängsten, Schuldgefühle usw. Das hängt damit zusammen, dass das Unterbewusstsein vieler Menschen eher mit negativen Inhalten gefüttert wurde. Kindheit und Erziehung warn bei vielen gepflastert mit negativen Erfahrung, Irrtümern, Enttäuschungen, Flops und Peinlichkeiten. Auch die Medien und viele deiner Mitmenschen verbreiten lieber Negativnachrichten und bedrückende Bilder als konstruktive und schöne.

Doch haben alle Menschen mit dieser Tendenz zu kämpfen. Der Gedankenstrom gehorcht einem ähnlichen Gesetzt wie es in der Physik unter dem Begriff der Entropie bekannt ist: Geordnete Strukturen zerfallen in ungeordnete. Energie wird mehr und mehr in Wärme umgeformt und dadurch schlechter nutzbar*. Bei der psychischen Entropie werden die Gedanken assoziativ, von einem zum anderen hüpfend, mehr und mehr von irrealen und negativen Gedanken durchsetzt, schwer beeinflussbar. Vereinfacht ausgedrückt: Überlass den Gedankenstrom deinem Unterbewusstsein und es kommt nichts Gutes dabei heraus!

Doch es kommt noch schlimmer: Negative Gedanken sind oft mit Angst verbunden, die sich bis hin zu Katastrophenfantasien und Panikattacken auswachsen können. Höchst lebendig malt man sich dabei aus, was alles passieren kann, beispielsweise, wie man bei der Prüfung durchfällt, wie die anderen negativ über einen reden, wie man keinen Job findet und am Ende ohne Geld dasteht. Unversehens praktiziert man dabei höchst lebendige Visualisierungen, wie wir sie in einem früheren Beitrag kennengelernt haben («Was du träumen kannst, kannst du auch tun», 3. Juni 2016). Nur beinhalten diese genau das Gegenteil dessen, was man sich wünscht. Kein Wunder, dass dies dann leider oft auch eintritt. Doch keine Sorge: Ab und zu eine negative Phantasie ist harmlos. Gefährlich wird es, wenn das angsterfüllte Denken Überhand gewinnt. Selbstzweifel und Hoffnungslosigkeit machen sich dann breit. Die Motivation für ein Ziel lässt nach, man möchte die Flinte ins Korn werfen. Angst ist bekanntlich ein schlechter Ratgeber. In solchen Zuständen passieren daher oft zusätzlich verhängnisvolle Fehler. Als Beispiel: Man bereitet sich nur halbherzig auf eine Prüfung vor, «weil man ja sowieso durchfallen wird» oder man versucht es gar nicht erst. Du erkennst hier sicherlich das Wirken der self-fulfilling prophecy, wie ich sie im letzten Beitrag beschrieben habe («Wie bestimmen Gedanken dein Leben», 3. Juli)

Solche Zustände sind brandgefährlich. Sie können einen Menschen in regelrechte Pechsträhnen führen. Ein Beratungsklient erzählte, wie seine erste Ehe scheiterte. Der Verlust der gewohnten Beziehung führte ihn in eine Phase der Trauer, Apathie und Einsamkeit. Er sehnt sich nach einer Gefährtin, wollte möglichst rasch wieder ein trautes Heim und als Mann mit einer Partnerin dastehen. Der Gedanke allein zu bleiben, erzeugt grösste Angst. Er verliebte sich kurz darauf, wohl in die erstbeste, wobei er möglicherweise Liebe mit dem Bedürfnis nach Nähe und Sex verwechselte. Die beiden zogen zusammen, heirateten, doch auch diese Ehe war alles andere als glücklich. Sie passten schlicht nicht zusammen, es war beiderseits eine emotionale Notgemeinschaft gewesen. Enttäuscht trennten sie sich. Wieder stand er allein da. Was er befürchtete, war Realität geworden und hatte ihn in die überstürzte zweite Beziehung getrieben. Eine Beziehungspause hätte ihm besser getan und Zeit gegeben, darüber nachzudenken, was für eine Partnerin er bräuchte. Bestimmt hätte er sie bekommen!

Wie schützt du dich vor solchen Entwicklungen? Beobachte deine Gedanken! Unterbrich unkontrollierte negative Gedankenströme und ersetze sie mit bewussten positiven Gedanken. Im nächsten Blog werde ich dir hierzu einige Tricks zeigen. Vermeide es, aus negativen Stimmungen und Angstzuständen heraus Entscheidungen zu treffen. Sie führen dich vom Regen in die Traufe. Denk daran, dass Angst ein schlechter Ratgeber ist. Besser ist es, sich Zeit zu geben und Befürchtungen durch eine längerfristige positive Vision zu ersetzen.

* Lies mehr dazu in meinem Buch, Seite 70 ff.

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