Bankenpleite als self-fulfilling prophecy

Wie bestimmen Gedanken dein Leben?

Die Wirkung deiner Gedanken erfolgt zunächst über einen simplen Mechanismus: die self-fulfilling prophecy. Dieser Artikel erläutert, was man darunter versteht und wie genau dieser Mechanismus deine Gedanken wahr werden lässt. Er regt an, negative Gedanken durch konstruktive zu ersetzen. Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, lies in meinem Buch „Steuere dein Leben“ oder in anderen Beiträgen im Blog Psychologie.

Das typische Beispiel einer die self-fulfilling prophecy sind die Bankenpleiten, wie sie sich während der Wirtschaftskrise der 1930er-Jahre ereigneten: Das Gerücht verbreitet sich, eine Bank könne nicht mehr auszahlen. Viele Kunden lösen ihr Guthaben auf, aus Sorge es zu verlieren. Das Beispiel macht Schule, Furcht verbreitet sich. Immer mehr Kunden lösen ihre Guthaben auf. Und ab einem gewissen Punkt kann die Bank tatsächlich nicht mehr zahlen. Dies obwohl sie durchaus zahlungsfähig war, als das Gerücht ausbrach. Doch die Fakten spielen bei einem solchen Vorgang keine Rolle, es zählt nur, was die Menschen gedacht oder angenommen haben. Und dieses Denken schafft schließlich eine physische Realität.

Selbsterfüllende Prophezeiungen dieser Art sind allgegenwärtig und zwar im gesellschaftlichen wie auch im individuellen Leben. Hier ein paar Beispiele:

→ Die tiefe Überzeugung, man werde bei einem Leistungstest versagen, führt häufig dazu, dass man tatsächlich versagt.

→ Die Angst von Senioren zu stürzen, führt zu mehr Stürzen.

→ Ein klassisches Experiment wurde Ende der 1960er Jahre von Robert Rosenthal an Grundschulen durchgeführt: Er gab den Lehrern aufgrund eines angeblichen Tests an, dass bestimmte, von ihm jedoch zufällig ausgewählte Schüler, so genannte hochintelligente „Überflieger“ seien, die in Zukunft hervorragende Leistungen zeigen würden. Bei einer Intelligenzmessung am Schuljahresende zeigte sich, dass sich die meisten dieser Schüler tatsächlich im Vergleich zu ihrem am Anfang des Schuljahres erfassten Intelligenzniveau stark verbessert hatten: 45 Prozent der als „Überflieger“ ausgewählten Kinder konnten ihren IQ um 20 oder mehr Punkte steigern und 20 Prozent konnten ihn gar um 30 oder mehr Punkte erhöhen. Man spricht seither vom „Rosenthal-Effekt“.

Die Mechanismen der self-fulfilling prophecy sind in manchen Fällen simpel und mit alltäglicher Logik nachvollziehbar, etwa bei der Bankenpleite. Andere sind weniger leicht zu durchschauen. Beim erwähnten Rosenthal-Experiment war es so, dass die Lehrer hoffnungsvolle Schüler mehr beachteten, stärker förderten und deren Verhalten anders erklärten. Versagte ein Schüler einmal, so sagten die Lehrer beispielsweise: „Okay, jeder hat mal einen schlechten Tag.“  Bei   einem „nicht hoffnungsvollen Schüler“ sind sie versucht zu sagen: „Schade, er hat leider wirklich wenig Potenzial.“

Die Wirkung sozialer Prägungsmechanismen beruht auf der kontinuierlichen und langanhaltenden Beeinflussung. Besonders empfänglich dafür sind Kinder oder sensible Menschen. Alles endet damit, dass diese Menschen am Ende das über sich glauben, was ihre Umgebung von ihnen denkt. Und nicht selten verwirklichen sie in ihrem Leben genau dies. Eine aufrüttelnde Anprangerung solcher Mechanismen in den Schulen hat der Schweizer Autor Jürg Jegge mit seinem Buch „Dummheit ist lernbar“ geliefert *.  Ob Menschen zu „Dummen“, „Versagern“, „Erfolgstypen“ oder „Heiligen“ geformt wurden, der Mechanismus ist derselbe. Und am Anfang stehen keine Fakten, sondern Gedanken.

Prägen uns nur die anderen, auch wenn wir erwachsen und einigermaßen Herr unseres Lebens sind? Nein, das tun wir im Wesentlichen schon selbst. Dein Gedankenstrom ist eine fortlaufende Produktion von self-fulfilling prophecies. Denk’ an das Beispiel Prüfungsversagen oben. Deine Gedanken lenken deine Aufmerksamkeit, deine Motivation, dein Durchhaltevermögen. Sie drücken sich in deinen Worten aus, ebenso in Stimme, Mimik und Gestik und natürlich in deinen Handlungen.

Praktisch kann das so verlaufen: Du wünschst dir eine bestimmte Arbeit oder Stelle. Gleichzeitig sagt eine innere Stimme (eine anderer «Gedanke»): „Das schaffst du eh nie. Schau mal, wie viele Bewerber Schlange stehen…“ Oder du sagst im Bewerbungsgespräch: „Ja ich bin für diesen Job qualifiziert, weil …“. Im selben Augenblick zuckst du mit den Schultern. Was soll das Gegenüber denken? Welcher Gedanke wird sich durchsetzen?

Seltsamerweise gewinnen im Wettbewerb konkurrierender Gedanken meist die negativen. Warum das so ist, zeige ich später. Im Moment ist wichtig: Achte auf deine Gedanken! Beobachte die Vorstellungen, «Stimmen», «flashs» und Gefühle in dir. Sie haben die Tendenz, dein Verhalten und dein Leben zu beeinflussen. Wenn sie dir nicht gefallen, denke darüber nach, woher sie stammen. Und ersetze Sie durch konstruktive Gedanken, die ganz dem entsprechen, was du dir von Herzen wünscht.

Damit haben wir allerdings erst die halbe Wahrheit über die Kraft der Gedanken berichtet. Auf welchem Weg sie dein Leben zusätzlich mit noch viel grösserer Macht beeinflussen, darüber berichte ich in einem separaten Artikel. Doch starte bereits jetzt und kultiviere deine positiven und konstruktiven Gedanken! Du wirst innert weniger Tage positive Effekte beobachten.

*  https://www.amazon.de/Dummheit-ist-lernbar-Schulversagern-Taschenb%C3%BCcher/dp/3729600583

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.