Wie falsche Ausreden Glück und Erfolg verhindern

Jeder schiebt die Schuld gern mal auf andere, wenn etwas schief gelaufen ist oder macht die Umstände verantwortlich. Einige tun das konstant und mit typischen «Erklärungen», eben falschen Ausreden. Damit errichten sie eine Mauer, die sie von einem glücklichen Leben fernhält nach dem Grundsatz: «Bitte hier kein Wohlstand, bitte hier kein Glück!» Psychologen sprechen von Attribuierung (Zuschreibung). Im Fall der falschen Ausreden ortet man die Quelle des Missgeschicks konsequent außerhalb der Person (externe Attribuierung) und nicht bei sich selbst (interne Attribuierung). Attribuierungen sind oft keine realen Kausalzusammenhänge, sondern geschehen in deinem Kopf, je nach dem mit katastrophalen oder erfreulichen Folgen.

Ich bekam letztes Jahr mit, wie das Geschäft eines Unternehmers in den Konkurs schlitterte. Seine Erklärung lautete: «Die Nachfrage ging zurück. Das Genick hat mir ein Lieferant gebrochen, der mich im Stich gelassen hat.» Das tönt traurig und nach Pech. Es ist jedoch höchsten die halbe Wahrheit. Ich kannte die näheren Umstände: Der Mann schenkte seit Jahren Frauengeschichten – und dazu noch teuren – mehr Aufmerksamkeit als seinem Geschäft. Der Lieferant hat ihn nicht im Stich gelassen, sondern verlor bei wachsenden Zahlungsrückständen ganz einfach die Geduld. Klar, dass der Unternehmer das nicht nach außen tragen will. Wirklich gefährlich ist aber, dass er die geschönte Story selbst glaubt. Er macht sich bereits daran, Waren aus dem Konkurs herauszukaufen für eine Nachfolgefirma. Du darfst raten, wo die enden könnte!

Typische falsche Ausreden

Eine unvollständige Auswahl häufiger falscher Ausreden:

  • Alter: „Ich bin zu alt für diese und jenes“. „In meinem Alter tut man das nicht mehr“, „Wenn ich nochmals 20 wäre, würde ich…“
  • Geldmangel: „Ich habe kein Geld für sowas“, „Wenn ich im Lotto gewinnen würde, täte ich dies und jenes, aber man sollte sich keinen Illusionen hingeben“, „Wir können uns das nicht leisten, wir müssen vorsichtig umgehen mit dem Ersparten“.
  • Krankheit: „Ich würde ja gern, aber mir fehlt die Energie.“ „Ich muss zuerst gesund werden, dann schauen wir weiter“, „Mein Herzinfarkt hat alles zunichte gemacht, jetzt muss ich mich schonen.“
  • Herkunft, fehlende Ausbildung: „In meinem Elternhaus hat man uns so etwas nicht gelehrt“, „Hätte ich studieren können, wäre alles anders gekommen.
  • Diskriminierung: „Als Schwarzer bekomme ich keine Wohnung, der Rassismus ist überall“, „Typisch, wenn man zwischen Führungskräften wählen muss, nimmt man den Mann, dabei wäre ich besser qualifiziert gewesen.“
  • Markt: «Die Konkurrenz macht die Preise kaputt», «Die Leute kaufen nicht mehr in der Stadt»
  • Pech / kein Glück: «Ich bin ein Pechvogel», «nicht alle können Glück haben», „alle sind gegen mich“

Die Attribuierung erfolgt in solchen Fällen konsequent (stabil) extern, d. h. äußere Faktoren werden als generelle Ursache gesehen. Mit dieser Haltung würdest du ein falsches und unproduktives Selbstbild aufrechterhalten. Fehleranalyse und Korrektur unterbleiben. Du begehst wiederholt dieselben Fehler. Für einige ist es vor allem eine bequeme Ausrede. Wenn es an den Umständen liegt, «was soll ich mich dann anstrengen? Da begnüge ich mich lieber damit ein bedauernswerter Pechvogel zu sein und lebe auf bescheidenem Niveau weiter».

Vorsicht vor Psychologisierung des Misserfolgs!

Viele externe Attribuierung sind natürlich richtig. Dies auszublenden, wäre eine unangemessene Psychologisierung. Wer in Flüchtlingslager im Süd Sudan leben muss, ist offenkundig Opfer einer externen Ursache. Auch bei „Krankheit“ ist das offenkundig. „Fehlendes Geld“ als angeblicher Ausrede empfinden viele als Provokation; nehmen wir das in einem separaten Artikel unter die Lupe. Wie steht es aber mit einem einem 50-jährigen in Mitteleuropa mit durchschnittlicher Ausbildung, der sich seit Jahren vergeblich um eine Stelle bemüht? Wir befinden uns hier an einer Grenzlinie von externen und interne Faktoren. Der Arbeitsmarkt bevorzugt jüngere, besser qualifizierte, zweifellos ein externer, stabiler Faktor. Wer sich diesem Schicksal ergibt, wird in der Sozialhilfe / Hartz IV enden. Wer kreativ und hartnäckig bleibt, sich weiterbildet, bereit ist, auf Gewohntes zu verzichten und flexibel Neues zuzulassen, hat auf jeden Falls die besseren Chancen, eine Aufgabe oder ein Auskommen finden. Eine solche Person setzt stärker auf interne, in der eigenen Person liegende Fähigkeiten.

Eine überlegene Lebensstrategie

Am Beispiel des arbeitslosen 50-jährigen zeigt sich, dass im Zweifelsfall die interne Attribuierung der externen überlegen ist: Verzichte auf die typischen Ausreden und trau dir’s zu, trotz widriger Umstände, ein Ziel erreichen zu können. Steve Jobs war ein Studienabbrecher. Edison solle einige Tausend Misserfolge überwunden haben, bis die Glühbirne funktioniert. Einige der erfolgreichsten Unternehmer gingen zuvor Konkurs. Ein Bekannter mit einem unsäglich schwierigen Charakter lebt nach einem halben Dutzend Fehlversuchen, glücklich mit einer Frau zusammen. Ein 60-jähriger, mehrere Jahre arbeitslos, fand einen Job in einem Start-up, weil er die letzten Jahre auch dazu genutzt hatte, Know-how in der App-Programmierung zu erwerben. Ein anderer engagiert sich in einem Verein, der zu günstigen Konditionen Serviceleistungen für Senioren erbringt. Er fühlt sich am richtigen Platz, auch wenn das Einkommen bescheiden ist.

Das Rezept muss lauten: Misserfolge akzeptieren – analysieren – Korrektur einleiten oder neue Chancen suchen – Es nochmals versuchen. Und diese Schlaufe, wenn nötig mehrmals durchlaufen!

Und wenn einem Kraft und Mut dazu fehlen?

Was, wenn jemand einfach nicht mehr daran glauben kann, wenn nach vielen Misserfolgen, Niederlagen und Enttäuschungen Mut und Energie fehlen? Manchmal spielt auch dabei eine falsche Attribuierung eine Rolle, diesmal eine interne: «Ich bin an allem schuld», «Ich habe alles falsch gemacht», «Alles hängt von mir ab». Dieser Fehlschluss, wenn er dauerhaft gezogen wird, ist verantwortlich für Überforderung, Burn-out, Depressionen und Suizide. In solchen Fällen besteht der erste Schritt darin, sich von Vorwürfen und Schuldgefühlen zu befreien. Schuld ist kein nützliches Konzept der Lebensführung. Man begeht Fehler, ist deswegen aber nicht schuldig im moralischen Sinne. Und die Vergangenheit ist einfach passé, höchstens dazu nütze, etwas aus ihr zu lernen. Für den Prozess, wieder zu Kraft und Zuversicht zurückzufinden, ist manchmal professionelle Hilfe nötig.

Beides, externe und interne Attribuierung kann im Einzelfall falsch oder zutreffend sein. Hüte dich vor einfachen, unveränderlich erscheinenden Erklärungen. Die Wahrheit ist oft komplizierter. Die interne, in die Zukunft gerichtete Attribuierung ist jedoch die einzige, die dich in schwierigen Situationen weiterbringt: «Ich kann es schaffen, ich verfüge über meine Fähigkeiten und auch ich habe Erfolg und Glück verdient!»

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One thought on “Wie falsche Ausreden Glück und Erfolg verhindern

  1. Sind „falsche Ausreden“ nicht ein so genannter „Pleonasmus“ (etwas, das doppelt gesagt wird)? Eine „Ausrede“ gilt doch als solche schon „falsch“… Wobei sowohl „Ausrede“ als auch „falsch“ wohl eher den Standpunkt der Betrachter angeben, den man nicht unbedingt teilen muss. So gesehen können auch „Lügen“ akzeptierbar sein… Wichtig: Das entsprechende Verbot in den „Zehn Geboten“ heisst nicht „du sollst nicht lügen“! So wurde es immer schon den Kindern eingetrichtert. Es heisst: „Du sollst nicht falsches Zeugnis reden gegen deinen Nächsten.“ Es ist also klar die „üble Nachrede“ gemeint, die Verleumdung, die „falsche Zeugenaussage“. Alle mit der Absicht, einem Menschen massiv zu schaden. – Dass man mit „Ausreden“ sich selber schaden kann, steht ausser Frage. Aber bisweilen verschafft man sich einfach „Luft“ in einer bedrängten Situation – bin ich überzeugt.

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