Ziele erreichen dank visualisieren? Mythos und Wirklichkeit (visualisieren Ziel)l

Im sportlichen Mentaltraining und in esoterischen Anleitungen wird die Praxis des Visualisierens empfohlen: Man soll sich das gewünschte Ereignis oder Resultat wiederholt bildhaft und lebendig vorstellen (visualisieren Ziel). Einige halten das für Unsinn. Andere wundern sich, dass sie sich ihre Ziele zwar regelmäßig vorstellen, doch nichts bewegt sich in die gewünschte Richtung. Nun, wenn ich mir einmal pro Tag vorstelle, wie ich eine hübsche und liebevolle Partnerin finde, mich im Alltag aber immer wieder Selbstzweifel plagen, ob mich so eine Frau akzeptieren würde, wird daraus nichts werden. Visualisieren hilft höchstens, wenn es sich auf ein auch von der Seele verinnerlichtes und akzeptiertes Ziele bezieht. Fragen wir uns, warum und wie so etwas überhaupt funktionieren könnte.

Die Idee des Visualisierens ist alt. Im Jahre 1978 hat die Autorin Shakti Gawain einen Klassiker veröffentlicht «Stell dir vor. Kreativ visualisieren».  Die Idee der «Priorität des Geistes», dass also letztlich Ideen das Materielle erschafften, geht bis in die frühe Menschheitsgeschichte zurück. Doch fragen wir uns nüchtern:

Wie soll so etwas im persönlichen Leben funktionieren?

  1. Wiederholtes Vorstellen  des Gewünschten (visualisieren Ziel) wirkt auf das Unterbewusste respektive die Seele. Der Seele mangelt die kritische Analysefähigkeit des Verstands. Sie übernimmt Vorgaben, besonders emotionale ungefiltert (was sich die Werbung zunutze macht). Dadurch kommen unbewusste Prozesse in Gang, die bei der Zielerreichung hilfreich sind: Deine Aufmerksamkeit wird auf Ziel-Relevantes gelenkt, du siehst plötzlich Dinge, die du vorher nicht bemerkt hast; dein nonverbaler Ausdruck wird authentischer, du strahlst aus, was du glaubst; Intuition und Kreativität beginnen zu wirken und bescheren dir Ideen, Informationen und Kontakte, die dich ans Ziel führen können.
  2. Fest verankerte Vorstellungen, tiefe Überzeugungen verleihen dir einen starken, überzeugenden Auftritt. Sie helfen, dich automatisch zielorientiert zu verhalten und richtige Entscheidungen zu fällen. Die Umgebung spürt deine Entschlossenheit.
  3. Einen weiteren Wirkmechanismus, die «gedankliche Anziehung» möchte ich hier aus Platzgründen nicht ausführen. Wenn es dich interessiert, lies dazu das Kapitel «Das universelle mentale Netz» in meinem Buch».

Visualisieren Ziel – so wirkt es

Es kann daher durchaus helfen, ein Ziel regelmäßig und plastisch zu visualisieren. Leider begehen viele dabei grundlegende Fehler und sind enttäuscht, dass die Wirkung ausbleibt. Wirksames Visualisieren weist folgende Qualitäten auf:

  • Bildhaft, nicht bloss abstrakte Worte. Statt dir einzureden «Ich nehme 10 kg ab», stellst du dir besser vor, wie du spürst, dass deine Kleider zu weit geworden sind, wie du hörst, wie andere fragen: «Hast du abgenommen?» und wie du vor dem Spiegel stehst, und dir selber wieder gefällst.
  • Alle Sinnesmodalitäten umfassend, nicht nur visuell. Im Beispiel oben: Du siehst, hörst und fühlst, wie es ist, am Ziel zu sein. Wenn dein Ziel auch Gerüche, Geschmäcker und Bewegungen umfasst, empfinde auch diese in deiner «Visualisierung» nach (Visualisieren ist ein irreführender Begriff, da es eben nicht nur um das Visuelle geht). Die Realität besteht aus allen Sinneswahrnehmungen. Die Wirkung auf deine Seele ist stärker, wenn auch deine Vorstellung realistisch ist .
  • Klar und rein, ohne negative Hintergedanken und Gefühle: Wenn du visualisierst, wie du eine bestimmte Arbeit oder Stelle bekommst, gleichzeitig sagt aber eine innere Stimme: „Das schaffst du eh nie. Schau mal, wie viele Bewerber Schlange stehen…“ Oder du sagst im Gespräch: „Ja ich bin für diesen Job qualifiziert, weil …“. Im selben Augenblick zucken automatisch deine Schultern. Was soll das Gegenüber denken? Was soll das Unterbewusstsein glauben?
  • Bejahend, ohne Verneinung: Viele wissen nur zu gut, was sie nicht wollen. Das visualisieren sie und beschwören damit unerwünschte Zielvorstellungen herauf. «Ich falle nicht durch bei der Autoprüfung», flugs ist die Furcht vor dem Versagen da. Visualisiere stattdessen: «Ich habe die Prüfung bestanden. Ich sehe den Experten lächeln und er sagt: ‘Frau…, gratuliere, sie haben bestanden’»
  • Das Ergebnis darstellend, nicht den Weg dorthin. Viele orientieren sich am sportlichen Mentaltraining, wo das Visualisieren oft darin besteht, sich einen Bewegungs- oder Rennverlauf einzuprägen. Bei Lebenszielen versagt dieser Ansatz. Er schränkt deine kreativen Möglichkeiten ein. Du bleibst auf einen Weg fixiert, der am Ende vielleicht nicht gangbar ist, während ein anderer dich sehr wohl ans Ziel gebracht hätte. Dieses Erfolgsgeheimnis habe ich in meinem letzten Beitrag ausführlicher erläutert „Locker ans Ziel gelangen – wie es funktioniert.“

Es ist nützlich, sich jeden Tag einen Moment zu reservieren, um aktuelle Ziele zu visualisieren. Im entspannten Zustand oder in leichter Trance ist das Unbewusste besonders aufnahmebereit. Das macht man sich bei der Hypnose zunutze. Ein Moment der Besinnung oder Meditation oder die Zeit vor dem Einschlafen sind besonders geeignet. Drogeninduzierte Zustände sind hingegen nutzlos.

Visualisieren Ziel im Alltag

Doch es braucht mehr als solche «Meditationen» und «Rituale»:  Die Gesamtheit deines alltäglichen Denkens prägt dein Leben, nicht bloß, was du dir in einem Moment der Besinnung und Konzentration vorstellst. Wenn sich im Alltag eine Gelegenheit bietet, visualisiere ein Ziel, zum Beispiel auf einer Autofahrt oder wenn du einen Kaffee trinkst und deinen Gedanken nachhängst. Wenn sich ein negativer Gedanke im Zusammenhang mit einem Ziel einstellt: Praktiziere den Gedankenstop und ersetz den negativen Gedanken mit deiner positiven Visualisierung.

Visualisieren bedeutet „konstruktiv zu träumen“. Erinnerst du dich noch an den Satz von Walt Disney «Was du träumen kannst, kannst du auch tun»?

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